Presse

Besser Kommunizieren statt streiten

Pressebericht: GFK-Tag in der VHS Köln am 30.9.2018

Beim GFK-Tag in der VHS Köln lernten knapp 100 Teilnehmer/Innen in 16 Workshops die vielfältigen Facetten der Gewaltfreien Kommunikation kennen.

Mit einer Auftaktveranstaltung startete der Kölner GFK-Tag 2018 am 30. September im Rautenstrauch-Joest Museum. Rund 100 Teilnehmer/innen nahmen an der VHS-Veranstaltung teil. VHS-Bereichsleiterin Anette Ahaus begrüßte und übergab die Moderation an Anja Ufermann, Organisatorin des Kölner GFK-Tag. Im Mittelpunkt der Vorstellungsrunde der 18 Trainerinnen und Trainer stand die »Gewaltfreie Kommunikation« (GfK) nach Marshall Rosenberg, die auch wertschätzende oder achtsame Kommunikation genannt wird. Es geht um Bedürfnisse, Gefühle und Wertschätzung in der Kommunikation für beide Gesprächsparteien. Wie Dialoge für beide Seiten fruchtbar gestaltet werden, konnte in drei von 16 wählbaren Workshops geübt werden. Ausgangspunkt war immer das Konzept von Marshall in vier Schritten: Beobachtung ohne zu werten, Gefühl spüren, Bedürfniss im Hier und Jetzt sowie konkrete Bitte.

Auf dieser Basis baute GFK-Trainerin Andrea Mergel beim Thema »Frauen ergreifen das Wort« Blockaden ab. „Wer etwas erreichen will, muss sich Gehör verschaffen – egal ob es sich um ein Vorstellungsgespräch, eine Teambesprechung oder einen Elternabend handelt.“ Basis sind vier Säulen: Körperhaltung, Stimme, Worte und innere Einstellung. Die ersten drei Fähigkeiten ließen sich üben. Dagegen sei die innere Einstellung physiologisch bestimmt. Mit einer Übung zu zweit leitete Andrea Mergel die Teilnehmer/innen zu mehr Selbstbewusstsein, um sicher aufzutreten und andere Menschen für sich zu gewinnen. Fazit einer Teilnehmerin: „Ich kann kaum glauben, dass es so einfach sein kann.“

Die 16 GFK-Themen der VHS-Veranstaltung boten für fast alle Bereiche des Lebens Antworten. Beispielsweise erarbeitete Nils Zierath alltagstaugliche Formulierungen in Gruppen. Hannah Hartenberg zeigte in Beispielen auf, wie man die passenden Worte im Arbeitsleben findet, um sich ehrlich und gleichzeitig kooperativ auszudrücken. »Gelassen erziehen« war Thema von Tanja Bunzel für Eltern. Ob die ausgewählte Nahrung tatsächlich den eigenen Bedürfnissen dient, ging Dr. Jasmin Benser auf den Grund.

Ankündigung: GFK-Tag 2019

Bonn am 3. Februar / Köln am 22. September

Grenzen setzen

flow zitiert mich als Expertin:

Nein sagen ohne schlechtes Gewissen – warum ist das bloß so schwer? Journalistin Mariska Jansen hat sich genauer mit dieser Frage beschäftigt

Kürzlich war meine Schwester mit ihrem neuen Freund überraschend in der Stadt und deutete

an, dass sie noch keinen Schlafplatz hätten. Sofort ratterte es in meinem Kopf los: Ehrensache, dass du ihnen ein Bett anbietest; was für eine Schwester wärst du, wenn du sie in ein Hotel ausquartierst? Auf der anderen Seite war ich ziemlich ­erschöpft von einem langen Familienwochenende, das gerade hinter mir lag und das ich organisiert hatte: Kochen für 15 Personen, Kulturprogramm, viele Gespräche. Der Sonntagabend war mein Lichtblick gewesen; ich wollte die Füße hochlegen und früh schlafen gehen. Ob meine Schwester es persönlich nehmen würde, wenn ich sie nicht zu uns einlud? Ob sie meine Absage womöglich auf ihren neuen Partner beziehen würde? Am Ende bot ich ihnen zerknirscht unser Schlafsofa an und ärgerte mich den ganzen Abend, dass ich nicht Nein sagen kann. 

Ich frage mich, weshalb mir das so schwerfällt, denn es passiert mir immer wieder: Ich willige ein, meiner Kollegin eine Aufgabe abzunehmen oder das Geschenk für meinen Schwiegervater zu besorgen, obwohl ich selbst alle Hände voll zu tun habe. Eine Schar Kinder will zum Spielen zu uns nach Hause kommen, und obwohl ich mich ­gerade gefragt habe, wie ich den Nachmittag mit meinem Nachwuchs überstehen soll: Ich halte die Autotür sperr­angelweit auf. Dabei ignoriere ich, dass mein Körper mir eigentlich zu verstehen gibt, erschöpft zu sein, oder dass ich schlicht keine Lust habe. Lehne ich doch mal eine ­Bitte ab, erkläre ich lang und breit, warum ich nicht kann, und entschuldige mich dafür. Ich habe Angst, unhöflich zu sein, und möchte andere nicht vor den Kopf stoßen. Was ich denke, spreche ich dann gar nicht aus, sondern flüchte mich in höfliche Formulierungen. 

IN SICH HINEINHORCHEN Andrea Mergel, Autorin des Buches Achtsame Kommunikation, kann das gut nachvollziehen: „In unserer Kultur gehört es zum guten Ton, jederzeit für andere da zu sein. Für sich selbst zu sorgen, Nein zu sagen oder Hilfe auszuschlagen stehen dagegen weniger hoch im Kurs, und schon Kinder werden dazu angehalten, ,nicht so egoistisch zu sein‘.“ Häufig reden wir sofort drauflos, ohne vorher überlegt zu haben, was wir eigentlich wollen. Andrea Mergel trainiert deshalb mit ihren Seminarteilnehmern ­eine Achtsamkeitstechnik: Indem man seine Aufmerksamkeit auf den Körper lenkt, die Gedanken bündelt und tief atmet, kann man aufgewühlte Gefühle besänftigen. Auf diese Weise ist man in der Lage, tieferen Bedürfnissen nachzuspüren und souverän den nächsten Schritt zu planen – in diesem Fall eine sachliche Antwort, die uns wirklich entspricht. Achtsam zu kommunizieren bedeute nicht, jederzeit ruhig und zurückhaltend zu sein, sagt Andrea Mergel. Es befähige uns vielmehr, gut für uns ­einzustehen. „Es kann sein, dass du durch achtsame Kommunikation freundlich und nachgiebig bist. Genauso kannst du durchsetzungsstark und hartnäckig sein, je nachdem, was du in der Situation gerade brauchst.“

SICH KLEINMACHEN Die nigerianische Feministin Chimamanda Ngozi Adichie hat die Erfahrung gemacht, dass das Grenzensetzen vor allem Frauen schwerfällt 

Den ganzen Artikel als pdf lesen: Grenzen setzen- Text von Sarah Erdmann und Mariska Jansen, flow Nr. 37

 

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